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Implementierung von internetbasierten psychotherapeutischen Interventionen in der stationär-psychiatrischen Versorgung von Flüchtlingen (I-REACH)

Geflüchtete Menschen haben ein hohes Risiko für psychische Erkrankungen: Studien zeigen, dass Geflüchtete eine Prävalenz von ca. 30% für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) und eine ebenso hohe Prävalenz für Depressionen aufweisen (Lindert, 2017; Steel, 2009). In der stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung stellen Menschen mit Fluchterfahrungen mittlerweile eine große Betroffenengruppe dar (Schaffrath et al., 2017). Allerdings besteht eine Versorgungslücke zwischen der Entwicklung neuer Behandlungsformen und der Implementierung dieser Behandlungsformen in die psychiatrisch-psychotherapeutische Routineversorgung. Es fehlt an spezifisch auf die Bedarfe und Bedürfnisse von Flüchtlingen angepassten Behandlungsmethoden. Insbesondere wäre eine niederschwellige Behandlungsoption, die auch in der Muttersprache angeboten werden kann, wünschenswert.

I-REACH ist Teil eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Konsortiums von Forschungsverbünden zur psychischen Gesundheit geflüchteter Menschen. I-REACH umfasst insgesamt fünf Teilprojekte (s. Abbildung).

Grafik zum Aufbau des Projekts I-REACH

Das Hauptziel der Untersuchung im LVR-Klinikverbund (SP 4) ist es, die klinische Implementierung einer App im stationären Bereich für Flüchtlinge mit psychischen Erkrankungen durchzuführen. Die zentrale Forschungsfrage, die im Rahmen des Projekts untersucht werden soll, ist, ob ein „Blended-Care“-Ansatz (d.h. die Kombinationsbehandlung aus persönlich erbrachten therapeutischen Elementen und unter Nutzung von Internet-basierten Verfahren erbrachten therapeutischen Elementen) für die Psychotherapie in der stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von Flüchtlingen in der klinischen Praxis realisierbar ist und genutzt wird. Außerdem wird untersucht, ob die Nutzung der App zu einer höheren Zufriedenheit bei Menschen mit Fluchterfahrungen und einer höheren Therapeutenzufriedenheit sowie zu besseren klinischen Ergebnissen führt. Schließlich soll ein Interventionsleitfaden bereitgestellt werden, in dem fördernde und hindernde Faktoren für die Umsetzung beschrieben werden.

I-REACH ist eine zweijährige beobachtende, quasi-experimentelle, prospektive, kontrollierte Studie über die Umsetzung eines Blended-Care Ansatzes in der stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung von psychisch erkrankten Menschen mit Fluchterfahrungen im Vergleich zur Routineversorgung. Die Untersuchung wird an insgesamt sieben LVR-Kliniken durchgeführt: In der Hälfte der teilnehmenden LVR-Kliniken wird für alle Arabisch- und Farsi/Dari-sprechenden Patienten eine App zusätzlich zur Face-to-Face Behandlung angeboten. Dem Patienten/der Patientin werden dabei verschiedene Module der Online-Psychoedukation und/oder der kognitiven Verhaltenstherapie für Patienten mit Depressionen, Angststörungen oder posttraumatischen Belastungsstörungen angeboten. Die übrigen drei LVR-Kliniken bilden die Kontrollgruppe (Routineversorgung).

Die Covid-19 Pandemie führte zu Verzögerungen im gesamten Projektverbund, so wird der Start der klinischen Implementierung in den teilnehmenden LVR-Kliniken um wenige Monate aufgeschoben und findet voraussichtlich ab Herbst 2021 statt. Mittlerweile haben sieben der neun LVR-Kliniken ihre Teilnahme an dem Projekt zugesagt.

Die Vorarbeiten haben bereits begonnen: Eine Befragung in den verschiedenen LVR-Kliniken bestätigte einen hohen Anteil an arabisch und Farsi-/Dari-sprechenden Personen unter den Geflüchteten in der stationär-psychiatrischen Versorgung. Über eine mögliche dritte Sprache der App ist noch nicht final entschieden.

In einem ersten Meilenstein wird der Implementierungsplan finalisiert. Dazu wird, auch in Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus dem eMEN-Projekt, sowohl literaturbasiert als auch erfahrungsbasiert ein Vorgehen entwickelt, um die Implementierung der App im stationär-psychiatrischen Bereich zu unterstützen. Parallel dazu, arbeiten wir eng mit den Partnern in Berlin (Teilprojekt 2) zusammen, um die App an den Bedarf im stationär-psychiatrischen Kontext anzupassen.

Referenzen:

Lindert J, von Ehrenstein OS, Wehrwein A, Brähler E, Schäfer I. Anxiety, Depression and Posttraumatic Stress Disorder in Refugees - A Systematic Review]. Psychother Psychosom Med Psychol. 2018 Jan;68(1):22-29. doi: 10.1055/s-0043-103344.

Schaffrath J, Schmitz-Buhl M, Gün AK, Gouzoulis-Mayfrank E. Psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung von Geflüchteten am Beispiel eines großen psychiatrischen Versorgungskrankenhauses im Rheinland. Psychother Psych Med 2017; 67(03/04): 126-133. DOI: 10.1055/s-0042-116081.

Steel Z, Chey T, Silove D, Marnane C, Bryant RA, van Ommeren M. Association of torture and other potentially traumatic events with mental health outcomes among populations exposed to mass conflict and displacement: a systematic review and meta-analysis. JAMA. 2009 Aug 5;302(5):537-49. doi: 10.1001/jama.2009.1132.

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