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„Nie wieder“ – Gegen das Vergessen

LVR-Klinik Langenfeld erinnert am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus

Der Gedenkstein, davor Kränze und Kerzen.
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Das Mahnmal auf dem Gelände der LVR-Klinik Langenfeld. Foto: LVR

Langenfeld, 27. Januar 2021

Heute ist die LVR-Klinik Langenfeld eine moderne psychiatrische Fachklinik. Das zentrale Klinikgelände hat eine düstere Vergangenheit. In den 1940er Jahren nutzten die Nationalsozialisten die damalige Provinzial-, Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen als eine sogenannte Zwischenanstalt. Hier wurden Patientinnen und Patienten aus dem Rheinland gesammelt, um sie im Rahmen der NS-Euthanasie Hitlers unter anderem in die frühere Tötungsanstalt Hadamar zu transportieren und dort zu ermorden.

Das ist auch die Geschichte von Anna K.. Anna K. ist 15 Jahre alt als sie 1930 zum ersten Mal in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht wird. Diagnose: Epilepsie und hochgradiger Schwachsinn. Die dokumentierten Gründe für die Anstaltsbehandlung zu Hause: sie sei unmöglich, frech und ungehorsam, hätte eine Neigung zu Gewalttaten gegen Personen und Sachen. Anna liebt ihr Püppchen und geht am liebsten nirgendwo ohne dieses hin. Sie wird oft von ihren Eltern abgeholt, aber auch immer wieder in die Anstalt zurückgebracht. Anna wird oft verlegt. Manchmal wegen Behandlungen wie eines Nierenleidens oder einer Malaria-Kur, manchmal auch nur in eine andere psychiatrische Anstalt. 1940 kommt Anna nach Galkhausen mit der Diagnose: sie sei sehr unbeholfen, müsse vollständig geregelt werden, füge sich aber willig. Sie könne nur wenig Angaben über ihre persönlichen Verhältnisse machen: „Name?“ „Anna K. heiße ich“. Am 1. Juli 1940 erhält Annas Akte den Stempel „nach Berlin gemeldet“. Am 2. Mai 1941 enthält ihre Akte den folgenden Eintrag: Heute auf Anordnung des Herrn Reichsverteidigungskommissars in eine andere Anstalt verlegt. Annas Name steht auf einer Transportliste nach Hadamar vom 2. Mai 1941.

Coronabedingt erinnert die Klinik in diesem Jahr digital an Annas Geschichte, die stellvertretend für alle ermordeten Patientinnen und Patienten steht. In einem kurzen Video und in den sozialen Medien findet das Gedenken statt, das in diesem Jahr eine Gedenkstunde ersetzt. Die Erinnerung zu wahren soll auch bewirken, dass sich folgender Gedanke im Kopf von uns allen verankert: Nie wieder!

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