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Fünf Fragen an den Fachmann

Dr. med Andreas Pelzer, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Abteilung für Allgemeine Psychiatrie II in der LVR-Klinik Düren

Herr Dr. Pelzer, was können Angehörige und Freund*innen tun, wenn jemand die Diagnose Depression bekommen hat?

Das Wichtigste ist, die Person dazu zu ermuntern, in der Therapie bei der Stange zu bleiben. Sie können unterstützen, sollten sich aber immer klarmachen, dass sie nicht die Behandler*innen sind.

Was ist wichtig, wenn man als Laie mit depressiven Menschen über die Krankheit spricht?

Angehörige und Freund*innen sollten den Betroffenen deutlich machen, wie sie ihr Verhalten im Alltag erleben. Ein Satz wie „Ich nehme wahr, dass du an vielen Tagen gar nicht vom Sofa aufstehst“ nutzt oft viel mehr als pauschale Ratschläge. Und sie können im Laufe des Genesungsprozesses auch darauf aufmerksam machen, wenn jemand zum Beispiel in alte, schädliche Verhaltensweisen zurückfällt.

Gerade Kinder leiden oft sehr, wenn ihre Eltern psychisch erkranken. Was brauchen sie in solchen Situationen?

Vor allem brauchen sie jemanden, der ihnen Mut und Selbstbewusstsein vermittelt. Ein Elternteil, der in einer schweren Depression feststeckt, kann in dieser Situation kein gutes Vorbild sein. Deshalb hilft es oft sehr, wenn die Kinder Bezugspersonen außerhalb der Familie haben, die ihnen Stabilität und andere Ansätze zum Lösen von Problemen vermitteln können. In Düren haben wir zum Beispiel das Angebot „Trampolin plus“, um die Kinder zu unterstützen: Kinder erkrankter Eltern können sich in Gruppentreffen miteinander austauschen und werden von Fachkräften dabei begleitet.

Über Depressionen und ihre Behandlung gibt es viele Vorurteile. Welche begegnen Ihnen immer wieder?

Vielen Menschen ist zum Beispiel nicht klar, dass Depressionen oft auch körperliche Ursachen haben. Zu oft geht es außerdem um die Frage, wer die Schuld an einer Erkrankung trägt: Das bringt niemanden weiter, weil diese Krankheit einfach sehr komplexe Ursachen hat. Häufig erlebe ich auch, dass Patient*innen oder Angehörige Medikamenten bei der Behandlung skeptisch gegenüberstehen. Dabei sind moderne Antidepressiva sehr gut verträglich, sie machen nicht süchtig und verändern die Persönlichkeit nicht.

Manche Angehörige müssen aufpassen, sich nicht selbst zu überfordern. Ihr wichtigster Rat an sie?

Nehmen Sie Hilfe an! Die Sozialdienste in den Kliniken bieten gute Unterstützung. Und oft ist es auch sinnvoll, sich einer Selbsthilfegruppe für Angehörige anzuschließen. Dort trifft man Menschen, die das Gleiche durchmachen – und bekommt oft sehr wertvolle Tipps für den Alltag.

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Unterstützung durch den LVR!

Die Kliniken des Landschaftsverbands Rheinland sind an vielen Standorten für an Depressionen Erkrankte und ihnen nahestehende Menschen da. Mit spezialisierten Abteilungen, Ambulanzen, Beratungsstellen und vielem mehr.

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